Zu dieser unserer Zeit

Abgepauste Zeichnung aus dem Abenteuerlichen Simplicissimus

Es eröffnet sich zu dieser unserer Zeit (von welcher man glaubt, dass es die letzte sei) …

Auf der Suche nach einem ohne Bauchschmerzen veröffentlichbaren ersten Blogbeitrag für das Jahr 2015 kam mir immer wieder dieser Satz in den Sinn, mit dem Grimmelshausen seinen Simplicissimus beginnen lässt.
Ach, mein lieber Simplicius Simplicissimus!
Und dieses Bild! Ich musste es einfach abkupfern, das Titelbild der Erstausgabe, mit dem die Leserschaft vor über 300 Jahren auf das Buch eingestimmt wurde:
Mit seinem spöttischen Blick durchschaut das Dichtermonstrum mit dem Satyrgesicht das Treiben der Welt und tritt alles Verlogene mit Füßen.

Danke!

Zitat aus: Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Abenteuerlicher Simplicissimus Teutsch, 1669, Kapitel 1, Seite 1 – den vollständigen Text gibt es z.B. auf der Webseite des Deutschen Textarchivs.

Kunst und Käse

Ach ja, wir armen Künstler und dann immer der Gang nach Brot, und wenn man sich dabei erwischen lässt, setzt es den Kunsthandwerks-Stempel oder noch Schlimmeres.
Dabei geht doch kein Mensch allein nach Brot, ein wenig Wasser müsste schon mit dabei sein. Bei Wasser und Brot fühlt man sich aber gleich ins Schurkengenre versetzt oder ins Krankenzimmer.
Da ist es schon besser, man ergänzt das Brot mit Käse, so wie es Grimmelshausen erzählt, anlässlich der ersten Bildungsoffensive, die er seinen Titelhelden erleben lässt:
Als der Einsiedel wohlmeinend das Vaterunser vorzutragen beginnt mit Unser täglich Brot gib uns heut, ergänzt Simplicius nämlich sofort: Gelt du, auch Käs dazu?
Die Redewendung Kunst geht nach Brot würde in ihrer dementsprechend verfeinerten Form dann so lauten: Kunst geht nach Käsebrot.

Das Grimmelshausen-Zitat ist übrigens aus dem 8. Kapitel mit der glorreichen Überschrift: Wie Simplicius durch hohe Reden seine Vortrefflichkeit zu erkennen gibt. Wenn man für Simplicius den eigenen Namen einsetzt, ergibt sich daraus ein unschlagbarer Allzweck-Blog-Untertitel …