Ansichten eines Clowns

Wie angekündigt folgt hier mal wieder ein Blogbeitrag, der nicht nur aus einem Bild und einer Überschrift besteht.
Wenn ich am Anfang meiner Künstlerinnenkarriere nach meinem Beruf gefragt wurde, und die Frage wahrheitsgemäß beantwortete, geschah das meist in einer Mischung aus Verlegenheit, Trotz und Stolz. Oft dachte ich dabei an die Stelle in Bölls Ansichten eines Clowns, in der Marie der auf ihr Geld wartenden Zimmerwirtin entgegenruft: “Mein Mann ist Künstler. Ja, ein Künstler.” (Was bei der Zimmerwirtin natürlich mehr Häme als Verständnis hervorruft.)
Die Stellen in Bölls Roman, in denen es um das Leben als Künstler geht, habe ich immer geliebt. Vor allem das Problem des fehlenden Feierabends!
Aber auch das Gedankenspiel um die Ermordung eines Ästheten gefällt mir noch immer so gut, dass ich es hier anbringen will:

Zitat aus Ansichten eines Clowns

Rallafididi

Rallafididi

Herr Epikur soll gesagt haben, dass man bei einem freien Leben nicht viel Geld erwerben kann.
Schön und gut. Da kann man schlecht was dagegen sagen. Wobei, kommt natürlich auf die Begriffe an, die man sich macht von frei und von viel.
Aber ist dieser Satz dann nicht eine Rechtfertigung für die Brotlosigkeit des freien Künstlers? Gleich kommt mir dieses Spitzweg-Bild vom armen Poet in den Sinn. (Laut Wikipedia das zweitbeliebteste Bild der Deutschen!)
Als Kind wurde mir mal eine Postkarte davon gezeigt und ich weiß noch gut, wie seltsam ich es fand, dass an dem alten Mann, der unter dem Regenschirm im Bett liegt, irgendetwas lustig sein sollte.
Jetzt hab ich den Faden verloren, dabei wollte ich im Zusammenhang von freiem Leben und viel Geld nicht nur die Gestalt des edlen Räubers erwähnen, sondern auch eine erbauliche Betrachtung über die paradoxe Natur des Fliegenpilzes anstellen …
Das beliebteste Bild der Deutschen soll übrigens die Mona Lisa sein.

Kleine Fabel

oder:

Du musst nur die Laufrichtung ändern!

Kafkas Katze

Von einer Künstler-Kollegin habe ich vor Kurzem einen genialen Satz zugemailt bekommen. Sie hatte sich zur Teilnahme an einer Ausstellung beworben. Unter dem Betreff Die Jury hat getagt wurde ihr die Ablehnung folgendermaßen versüßt:

Unsere Entscheidung ist keinesfalls als Urteil über Ihre Arbeit zu verstehen.

Nachtrag

Mikrokosmos

Irgendwann vor ziemlich vielen Jahren war es mancherorts beliebt, das eigene Poesialbum mit ein paar aufmunternden Sätzen zu eröffnen.
So etwa:

Liebe Leute groß und klein,
schreibt mir in mein Album rein,
reißt mir keine Blätter raus,
sonst ist unsre Freudschaft aus!

Dem möchte ich ein Stück aus Gregor von Tours Geschichte der Franken zur Seite stellen, wieder aus dem Internet Medieval Sourcebook, deswegen wieder auf Englisch.
Zugegeben, es gibt da wohl gewisse Unterschiede.
Beim Poesiealbum lass ich mir die leeren Seiten bequemerweise von anderen Leuten füllen, die sich dafür ihrerseits bei irgendwelchen Dichtern bedienen, während ich bei meinem eigenen Buch die meiste Arbeit selbst erledigen musste.
Und doch …
Hier jedenfalls das Textstück. Es steht, an die Nachwelt gewandt, ganz am Ende des zehnten Buchs, nach einer Aufzählung der bisherigen Bischöfe von Tours:

And bishop of God, whoever you may be, if our Martianus has trained you in the seven disciplines, that is, if he has taught you by means of grammar to read, by dialectic to apprehend the arguments in disputes, by rhetoric to recognize the different meters, by geometry to comprehend the measurement of the earth and of lines, by astrology to contemplate the paths of the heavenly bodies, by arithmetic to understand the parts of numbers, by harmony to fit the modulated voice to the sweet accents of the verse; if in all this you are practiced so that my style will seem rude, even so I beg of you do not efface what I have written. But if anything in these books pleases you I do not forbid your writing it in verse provided my work is left safe.

Aus: Book X, 31. List of the bishops of Tours.

Horch, was kommt von draußen rein?

Wenn man vom griechischen Wort für Wahrheit ein paar Buchstaben wegstreicht, trifft man plötzlich auf die gute alte Lethe: aletheia.
Es ist aber nicht wahr, dass man deswegen gleich in der dunklen Unterwelt am Fluss des Vergessens hocken muss, sondern ganz im Gegenteil, das Unvergessene liegt in der Wahrheit.
Durch das Wegstreichen von Buchstaben kann man natürlich alles und nichts beweisen. Zum Beispiel, wenn ich mich auf den schönen Begriff der brotlosen Kunst zurückbesinne, ist es im Zusammenhang mit der Auffassung von Wahrheit als dem Unvergessenen natürlich reizvoll, auch das deutsche Wort Unvergessenes zusammenzustreichen.
Eigentlich sollte jetzt noch ein eleganter Schlenker zum Metaphernbegriff kommen, aber mir schwirrt schon den ganzen Morgen das holahi-rufendes Vergissmeinnicht durch den Kopf:

Wenn ich dann gestorben bin, Hollahi, hollaho,
Trägt man ich zum Grabe hin, Hollahi, hollaho.
Setzt mir keinen Leichenstein, Hollahi, hollaho,
Pflanzt mir drauf Vergissnichtmein, Hollahi, hollaho.

Mehr dazu an einem anderen Tag …

Schwarzer Schimmel Blog

Was macht Kunst zu brotloser Kunst?
Und wie lebt es sich so als brotlose Künstlerin?
Um solche Fragen wird es hier im Blog gehen.

Auf den anderen Seiten stell ich Aktionen und andere Manifestationen des Schwarzen Schimmels vor.